Hans Peter Korff
1942–2025
Vom Schriftsetzer zur Landmarke
Zur letzten Ruhe

Die Urne von Hans Peter Korff. Fotos: Johannes Valentin Korff
Am 9. März 2025 verstarb Hans Peter Korff. Der Künstler Jann Kaune hat die Urne gestaltet. Auf einer Seite zeigt sie einen Mond in wolkenreicher Nacht. Auf der anderen Seite ist vor schwarzem Grund zu lesen: "Das Leben hat kein Geländer". Beide Seiten sind von Bühnenvorhängen flankiert. Einerseits wird durch die Motivik von Nacht und Dunkelheit der Tod symbolisiert, andererseits weisen die offenen Vorhänge und der hell leuchtende Mond darauf hin, dass Korffs Vermächtnis weiterlebt.
Das Zitat stammt aus dem Theaterstück "Bürger Schippel" (1913) von Carl Sternheim. In dem Stück wird der Satz von der Figur Hicketier gesprochen, einem konservativen Kleinbürger. Hans Peter Korff hat in drei Inszenierungen dieses Stücks Hauptrollen gespielt, darunter 1980 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg die Rolle des Hicketier. Seitdem gehörte das Zitat zu seinen häufig verwendeten Mottos im Alltag.
Das Zitat im Kontext des Stücks "Bürger Schippel" von Carl Sternheim: Der bürgerliche Hicketier und seine Freunde suchen für ihr Gesangsquartett einen neuen Tenor. Der einzige verfügbare Tenor ist Paul Schippel, ein armer Klarinettist aus proletarischem Milieu, den sie sozial und kulturell verachten. Obwohl Schippel mit seinem Gesangstalent überzeugt, lehnt Hicketier es ab, ihn als gleichwertigen Menschen zu akzeptieren. Schippel hingegen verlangt Anerkennung und Respekt. Es kommt zum Eklat, weil Schippel auf einem Handschlag besteht, was Hicketier als unzulässige Grenzüberschreitung empfindet. Nachdem Schippel entrüstet den Raum verlässt, ist klar: das Quartett hat seinen einzigen geeigneten Tenor verloren. In diesem Moment äußert Hicketier – als resigniertes, aber gefasstes Schlusswort – die Bemerkung: "Das Leben hat kein Geländer." Der Satz bildet den Schluss seines Dritten Auftritts, woraufhin er von der Bühne abgeht.
"Das Leben hat kein Geländer" ist in Sternheims Stück somit ein bitterer, resignativer und zynischer Schlusspunkt des Konflikts zwischen bürgerlicher Arroganz und proletarischem Anspruch auf Anerkennung.
Er verdichtet in einem Bild die Angst der Bourgeoisie vor gesellschaftlichem Aufstieg „von unten“.

Hans Peter Korff in "Bürger Schippel". Fotos: Kaspar Seiffert.